Anatomische Beschreibung des Fischmauls


Maulform

Maul - Formen

Die Stellung des Mauls eines Fisches lässt Rückschlüsse auf die Ernährungsweise der jeweiligen Fischart zu. Unterschieden werden:

    • (a) Enterständiges Maul
      Ein endständiges Maul ist bei Fischen aus der mittleren Wasserregion häufig zu beobachten.
      Es befindet sich an der Spitze der Schnauze; Oberkiefer und Unterkiefer sind gleich lang.

    • (b) Oberständiges Maul
      Ein oberständiges Maul ist bei an der Wasseroberfläche jagenden Fischarten zu finden. Der Unterkiefer ist dabei länger ausgebildet als der Oberkiefer. Allerdings tritt dieses Merkmal auch bei einigen herbivoren Fischarten auf.

    • (c) Unterständiges Maul
      Ein unterständiges Maul ist typisch für sehr viele Fischarten, die am Boden leben und dort nach Nahrung suchen.
      Hierbei ist der Unterkiefer etwas kürzer als der Oberkiefer.
      Die Mundöffnung zeigt nach unten.
      Ein unterständiges Maul haben auch die Harnischwelse, bei ihnen ist es jedoch auch noch zu einem Saugmaul ausgebildet. Damit sind sie in der Lage, sich am Untergrund festzusaugen, ohne von der Strömung abgetrieben zu werden.
      Saugmäuler gibt es aber schon bei "Vorläufern" der Fische (Neunaugen) - benutzt auch zur Nahrungsaufnahme als Ektoparasiten) - und bei Karpfenfischen und Welsen aus tropischen Gebirgsbächen, die sogar angesaugt Aufwuchs von Steinen abraspeln (d.h. fressen) - und dabei auch noch atmen können.

Weitere Besonderheiten am Fischmaul

Schlundknochen (Pharyngealia) einer Muräne

Schlundknochen (Pharyngealia) einer Muräne

    • Kieferzähne, Pharyngealia
      Fast alle Fische haben an den Kiefern und anderen Skeletteilen des Pharynx (bes. den Schlundknochen (Pharyngealia), Zähne.
      Keine Kieferzähne haben die Karpfenfische (siehe weiter unten Schlundzähne).
    • Verlängerte Schnauze
      Eine verlängerte Schnauze ist vor allem bei spezialisierten Fischarten zu finden, die beispielsweise im Korallenriff leben. Zu ihnen gehören unter anderem die Vogel-Lippfische, Forcipiger und Chelmon, die mit ihrer langen Schnauze in der Lage sind, in den Ritzen eines Korallenriffs nach Nahrung zu suchen.
    • Vorstreckbares Maul
      Vorstreckbar ist das Maul vor allem bei Raubfischen. Sie sind in der Lage, es beim Beutefang vorzuschieben.
      Wenn der Unterkiefer gesenkt wird (meist durch Hebung des Kiemendeckels), wird der Oberkiefer (Prämaxillare) durch Hebelwirkung des Maxillare (daher: "Maxillarapparat"), nach vorne gezogen. Das Maul wird dadurch zwar kleiner, röhrenförmig, ist aber schlagartig in der Nähe der Beute, die eingesogen wird (Saugschnappen), ehe sie flüchten kann. Die meisten Teleostei sind ja solche Raubfische. Bei Fischfressern ist die Vorstreckbarkeit aber oft wieder verloren gegangen, weil sie nicht saugschnappen, sondern die Beute mit den Zähnen packen (z.B. Hecht). Das Verschlingen geschieht durch den Pharyngeal-Mechanismus, mittels der Schlundzähne auf den Kiemenbögen.
    • Bukkalvalven
      Zum Maul gehören bei den meisten Fischen (Ausnahmen: z.B. Hering) die Bukkalvalven, zwei zarte, sichelförmige Schleimhautfalten hinten am Ober- und Unterkiefer (Maxillar- und Mandibularvalve) mit Ventilfunktion für die Atmung, ohne eigene Muskeln (Ausnahmen, z.B. einige Fische mit Saugmaul). Dem Fisch ersparen die Valven den völligen Maulschluss in der Druckpumpenphase.

Schlundzähne

Schlundzähne eines Goldfisches

Schlundknochen mit Schlundzähnen (Goldfisch)

Schlundzähne kommen bei den meisten Knochenfischarten, zum Beispiel bei allen Karpfenartigen und den Buntbarschen vor. Sie stehen auf den Schlundknochen, die sich von Kiemenbögen ableiten.

Bei den Karpfenfischen stehen die Schlundzähne auf zwei bogenförmigen Schlundknochen (siehe nebenstehende Abb.) bei den Buntbarschen auf einem Y-förmigen unteren und zwei abgerundeten oberen Schlundknochen.

Je nach Spezialisierung auf unterschiedliche Nahrungs sind Form und Zahl der Schlundzähne unterschiedlich. Auf Grund ihrer charakteristischen Form, Zahl und Anordnung können Schlundzähne vielfach zur Bestimmung und Unterscheidung verschiedener Fischarten genutzt werden.

Bei Karpfenfischen können durch Formeln die Anzahl und die Position der Schlundzähne pro Zahnreihe festgehalten werden.

Diese Zähne, die je nach Fischart spitz oder stumpf-pflasterartig sein können, stehen bei den Karpfenartigen in 1-3 Reihen, bei den Schmerlen in nur 1 Reihe. Anzahl und Anordnung dieser Schlundzähne sind in der Zahnformel dokumentiert.

Die Schlundzahnformel für den Karpfen lautet: "1.1.3-3.1.1", was bedeutet, dass auf jedem Kiemenbogen drei Zahnreihen vorhanden sind, deren innere Zahnreihe je 3 Zähne trägt. Die mittlere und äußere Zahnreihe trägt jeweils 1 einen Zahn.

Rotaugen besitzen nur je 5 Schlundzähne auf der inneren Zahnreihe. Hier lautet die entsprechende Zahnformel "-.-.5-5.-.-".

Die Schlundzähnekönnen mehrmals im Jahr ersetzt werden. Dies passiert meist im Winter, wenn die Fische nur
selten Nahrung aufnehmen.

Die Schlundzähne der Karpfenfische greifen wie die Zähne eines Zahnrades ineinander und zusätzlich gegen eine Zahn- oder Hornplatte (Karpfenstein) genau vor der Speiseröhre am oberen Ende des Schlundbogens. Bei den Schmerlen wird diese Hornplatte durch eine raue Hornfläche bzw. durch zähe Schleimhäute ersetzt. Bei den Buntbarschen liegen zwei weitere mit Zaähnen besetzte Knochen den Schlundzähnen gegenüber.

Einige Fische, z.B. die Grunzer nutzen die Schlundzähne auch um Geräusche zu produzieren. Die Laute entstehen indem die Schlundzähne aneinander gerieben werden.


Verschiedene Arten der Nahrungsaufnahme

männliche Honshu-Seenadel

Beispiel Pipettenmaul: männliche Honshu-Seenadel

Zum Fassen flüchtiger Beute (die Mehrheit der Teleostei sind "Räuber") werden drei unterscheidbare Methoden angewandt, die freilich meist nicht klar abzugrenzen sind:

    • Beutegreifer
      Diese packen die Beute aus einer Lauerposition oder nach Verfolgung mit langen, gut bezahnten Kiefern (Hecht, Knochenhechte, Hechtkärpfling, Zander, Barrakudas).
      Die Malacosteinae schlagen allein den scharf bezahnten Unterkiefer in die Beute. Fische mit genau zusammenpassendem Schneidegebiss können größere Beute anfallen und "tranchieren" (Sägesalmler).
    • Räuber mit Maulröhre
      Diese überfahren ihre "ahnungslosen" Beutetiere mit einem plötzlich ausgefahrenen, recht zarten Maxillarapparat wie mit einem übergestülpten Sack.
    • Die Saugschnapper
      Diese saugen die fliehende oder sich auf Substrat festklammernde Beute mittels plötzlicher Pharyngeal-Erweiterung und Aktivierung des Maxillarapparates in die Mundhöhle ein, wobei starker Unterdruck angewendet wird. Das Saugschnappen ist einem kräftigen Einatmen zu vergleichen.

Fische mit nicht flüchtender Nahrung haben auch zahlreiche Spezialisierungen im Maul-Bereich entwickelt. So schabt der Ayu (Plecoglossus altivelis) Algen-Aufwuchs mit den Kieferseiten von Steinen, während der Spitzmaulkärpfling das frontal tun, weil der Unterkiefer in sich so beweglich ist, dass die Zahnflächen wie Lippen dem Substrat angedrückt werden können.

Wieder anders funktioniert das Abschaben bei den Karpfenfischen. Ebenso haben Papageifische ein Gelenk im Unterkiefer, um den Beißdruck (an Steinkorallen) zu steigern. Einfache Quetschgebisse haben die Seewölfe, die Meerbrassen u.a.

Sehr einfach gestaltet sich die Nahrungsaufnahme vieler Planktonfresser: sie seihen das Atemwasser mit der dichten Kiemenreuse, so Engraulis encrasicolus. Ähnlich können Kleinlebewesen aus Detritus ausgeseiht werden (Störe, Meeräschen u.a.). Zähne sind dabei unwichtig.



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