Fischlexikon: die Familie "Amiidae" (Kahlhechte)


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Kahlhechte (Amiidae)

Systematik

Familie:
Amiidae
(Kahlhechte)


Klasse:
Osteichthyes
(Knochenfische)

Amiidae (Kahlhechte)

Kahlhechte oder Schlammfische (Amiidae) gehören zu den Kahlhechtartigen oder Schlammfischartigen (Amiiformes).

Der Kahlhecht oder Schlammfisch (Amia calva) ist die einzige rezente Art der Familie der Kahlhechte oder Schlammfische.


Verbreitung

Kahlhechte leben in Sümpfen, pflanzenreichen Seen und Flüssen im östlichen Nordamerika von den Großen Seen, mit Ausnahme des Oberern Sees, und dem Sankt-Lorenz-Strom über das Gebiet des Mississippi und Missouri bis nach Florida und dem Unterlauf des Rio Grande.

Sie fehlen in den nördlichen Neuengland-Staaten und in den nördlichen Appalachen. Der Mensch hat sie lokal etwas nach Westen verbreitet.


Anatomie/Merkmale

Merkmale

Kahlhechte haben einen langgestreckten, hechtartigen Körper. Die Rückenflosse nimmt ein Drittel der Körperlänge
ein und hat 42 bis 56 Flossenstrahlen und zwei dunkle Längsstreifen. Die Afterflosse ist klein, hat zehn bis zwölf Flossenstrahlen und beginnt auf Höhe der Rückenflossenmitte. Die Bauchflossen sitzen in der Körpermitte.

Der Kahlhecht ist von kleinen Cycloidschuppen bedeckt, die noch einen Ganoinbelag, ein urtümliches Merkmal, besitzen. Ein weiteres primitives Merkmal ist eine kleine Knochenplatte (Gulare) zwischen den beiden Ästen des Unterkiefers.

Das Innere der Schwimmblase ist durch eine netzartige Struktur vergrößert und ermöglicht dem Fisch, Luft zu atmen, wenn seine Wohngewässer im Sommer durch hohe Temperaturen sauerstoffarm werden.

Die Farbe des Kahlhechts ist braun bis oliv mit einer dunkleren netzartigen Zeichnung auf den Flanken. Männchen haben an der oberen Schwanzflossenwurzel einen dunklen, gelb oder orange umfassten Augenfleck.

Kahlhechte ernähren sich von kleinen Fischen, Fröschen, größeren Wasserinsekten und Krebstieren. Sie werden meist 65 bis 70 Zentimeter lang und erreichen bei einer maximalen Länge von etwa 110 Zentimeter ein Gewicht von bis zu 10 kg (Alter: bis 30 Jahre; die Männchen bleiben kleiner).

Ihre normale Schwimmweise heißt amiiform, wobei die Rückenflosse undulierend Vor- (oder auch Rück)trieb erzeugt; sie kann dabei von den großen Pelvicales unterstützt werden. Zur Flucht kann Amia natürlich mit dem kompressen (seitlich abgeflachten), sehr biegsamen Schwanz anguilliform nachhelfen.

Anatomie

Kahlhechte unterscheiden sich anatomisch von den Teleostei z.B. im Flossen- und Wirbelbau. In den Basen der Paarflossen gibt es noch pterygiale Elemente (wie bei Stören und besonders Polypterus). Das Schwanzskelett ist noch etwas variabel (einige Epuralia sind vorhanden). Die Wirbel, die die Chorda dorsalis schon stark einengen, sind zum Teil als "Doppelwirbel" ausgeprägt (was zeigt, dass keine nächste Verwandtschaft zu Teleosteern besteht).

Über den (zahlreichen) D-Pterygiophoren stehen mitunter je zwei Radien. Am Ende des Mitteldarms ist noch ein kurzer Spiraldarm vorhanden. Am Ort des Spritzloches ist ein Blindgang vorhanden, der noch den wahrscheinlich fürs Hören zuständigen, großen Neuromasten (cupuläres Sinnesorgan) enthält.

Am Ort der Operkularkieme von Stören und Knochenhechten ist noch ein gut entwickeltes Gefäßnetz vorhanden - die Kieme selbst aber ist schon unmöglich wegen der Operkelhebung zur Maul-Öffnung. Vom Pharynx-Constrictor hat sich (apomorph) ein paariger Retractor-Muskel zur Wirbelsäule differenziert, der es wie bei höheren Knochen-
fischen gestattet, gepackte Beute rasch zu schlucken (um aus einem Schwarm womöglich gleich weitere zu machen).

Wie etwa Polypterus (aber auch Notopterus, Anguilla u.a.) hat Amia Nasententakel (-röhrchen) zum Schnüffeln vor dem Maul.[1] Amia ist der einzige Fisch, von dessen Kaumuskulatur eine eigene Portion fürs Riechen abdifferenziert ist, der Musculus nasalis.

Fortpflanzung

Die Laichzeit fällt in die Monate Mai-Juni. Die Männchen bauen dann Nester auf dem Gewässergrund, zu denen sie die verschiedensten Pflanzenteile zusammentragen. Der Nestbau und das Laichen geschehen nachts.

Das Männchen bewacht die ca. 20.000 bis 70.000 Eier und später auch die ausgeschlüpften Jungfische, bis sie eine Länge von etwa einem Zentimeter erreicht haben. Die Larven schlüpfen nach 8-10 Tagen. Mit ihrem Haftorgan am Maul heften sie sich zunächst an Wasserpflanzen fest; später sammeln sie sich im "Schatten" unter dem Bauch des Vaters, der sie "führt" (Brutpflege).

Diesem Verhalten verdanken wohl die Jungfische ihr Überleben bei Sonnenbarschen u.a. Räubern im selben Biotop.


Systematik

Die Amiiformes erlebten ihre Blüte, zusammen mit anderen ursprünglichen Knochenfischen wie den Semionoti-
formes und den Lepisosteiformes, im Mesozoikum und stellten einen großen Teil der Fischfauna, z. B. Sinamia aus
der unteren Kreide von China. Während der mittleren Kreide wurden sie weitgehend von den Echten Knochenfischen (Teleostei) verdrängt.

Drei Familien der Amiiformes sind ausgestorben:

  • Caturidae † (Caturus, Eoeugnathus, Eugnathus, Furo, Heterolepidotus, Macrepistius, Strobilodus)
  • Liodesmidae † (Liodesmus)
  • Sinamiidae † (Sinamia)

Die Amiidae sind mit dem Kahlhecht die einzige überlebende Familie und lebten mit Amiopsis und Amia schon in der Oberkreide. Amia kehreri (jetzt Cyclurus kehreri) lebte auch in Europa: Funde aus dem Eozän gibt es z.B. in der Grube Messel in Hessen.



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