Fischlexikon: die Familie "Balitoridae" (Flossensauger)


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Flossensauger (Balitoridae)

Systematik

Familie:
Balitoridae
(Flossensauger)


Klasse:
Osteichthyes
(Knochenfische)

Balitoridae (Flossensauger)

Die Flossensauger, Platt- oder Karpfenschmerlen (Balitoridae) sind eine Familie der Schmerlenartigen (Cobitoidei). Sie entsprechen großteils den früheren "Homalopteridae" („Ebenflossern“).


Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Flossensauger sind klare, schnell fließende Gewässernin in Süd- und Südostasien.


Anatomie/Merkmale

Beaufortia leveretti (Unterseite)

Beaufortia leveretti (Unterseite)

In einer morphologischen Serie, die also nicht die Phylogenese repräsentieren muss, kann man ausgehen von schmerlenartigen Bachfischen (schlank, drehrund, Schwanz abgeflacht), deren Brust- und Bauchflossen dann in charakteristischer Weise verbreitert werden, um durch die Strömung verstärkt dem Sediment angedrückt zu werden und so die Haftfähigkeit zu vergrößern.

Die Verbreiterung auch der Bauchfläche ist schon deutlich bei Balitora (mit großen, viereckigen Paarflossen; Balitora kann sich schon mit der Bauchfläche etwas ansaugen; der hintere Teil der Brustflosse kann aber noch aufgebogen zum „Rudern“ verwendet werden); auch der Kopf wird breiter, der Rumpf z.T. kürzer, höher (Homaloptera-Arten).

Bei den Gastromyzon-Arten und ihren Verwandten ist die Anpassung an schnellströmendes Wasser am weitesten gediehen, die Bauchfläche ist breit, mitsamt den Paarflossen bildet sie einen rundlichen „Saugnapf“, der (wie man an Glasscheiben sieht) tatsächlich Unterdruck eine Weile halten kann, aber in der Natur mehr durch Reibung (angepresst durch die überströmte Rumpfform) wirkt. Die Fische "laufen" auch hundertfüßlerartig auf ihren Flossenstrahlen (wie dies auch von Plattfischen bekannt ist). Die Gattung mit der breitesten Scheibe ist wohl Sewellia, deren Bauchflossen so breit wie die Brustflossen sind.

Die Augen stehen hoch am Kopf, sollen aber nach den Seiten blicken, weshalb die Augenhöhlen (Orbitae; wie bei Callionymidae) oben etwas aus dem Schädel ragen. Ca. 30 Wirbel.

Das kleine Maul mit mehr oder weniger deutlichen (6) Barteln ist Teil dieser Scheibe, mitunter umgeben von weiteren bartelartigen Hautlappen zum Schaben, trägt aber nicht wie bei anderen Karpfen- (s. Mahseer, Gyrinocheilidae) und Welsartigen (Loricariidae) die Hauptlast der Ansaugung am Substrat, sondern kann sich mehr der Atmung und dem Algen-„Ablutschen“ widmen.

Wegen des geringeren Unterdrucks am Maul und dessen Zahnlosigkeit sind diese Tiere aber keine richtigen Algen-"Wegputzer", sie kehren die Algen nur ab und fressen besonders die Mikrofauna im Aufwuchsteppich.

Wie ein ethologischer Film W. Wicklers (1965) zeigt, werden immer wieder schon treibende Aufwuchs-Fetzchen aufgeschnappt. Zum Putzen von Aquarium-Glasscheiben haben sie wenig Voraussetzungen. (Es gibt aber Arten, die schärfer abschaben.) Die Umgebung des Maules bzw. dessen Beweglichkeit ist recht unterschiedlich, bei manchen Gattungen ist ein typischer Maxillarapparat entwickelt.

Bei den meisten „geigenförmigen“ Balitoriden sind die vorderen (4-6) Strahlen der Paarflossen einfach, die hinteren zerspalten. Die Brustflossenstrahlen sind fast aufs Doppelte (13→24) vermehrt, die der Bauchflossen von 7 auf 17. (Flossenformel von Sewellia lineolata: D 11-12, A 1/4, P 22-23, V 18-19, C 11. Die Schwanzflosse ist zweilappig, bei den Gastromyzontini aber rund abgestutzt.)

Die Rumpfbauchseite ist unpigmentiert, unbeschuppt und durchscheinend (man sieht Kiemen, Herz und Leber), die Rückenseite meist bunt mit hellen (dunklen) Punkten oder Flecken.

Die Schuppen sind klein (ca. 50 an der Seitenlinie) bis sehr klein. Die Milchner sind mitunter an Perlorganen an den vorderen Strahlen der Brustflossen kenntlich. Ein Verbreitungszentrum der „Homalopteriden“ scheint Kalimantan zu sein.

Lebensweise

Die Flossensauger sind kleine, oft lebhafte, gesellige Tiere mit mausartigem Huschen (z.T. dämmerungsaktiv). Untereinander raufen sie aber gern (Rangkämpfe, zeitweise Territorialität wie bei anderen "Weidern", etwa Plecoglossus altivelis).

Im Gegensatz zu Gyrinocheilus fallen sie andere Fische nicht an, um sie anzuraspeln. Für Aquarienpflege sind sie dennoch wenig geeignet, weil man ihnen die starke Strömung von „frischem“ (Süß-)Wasser ja kaum bieten kann (einige Arten kommen allerdings auch in Seen vor).

Eine Nachzucht gelang bisher nur gelegentlich. Sie zeigen eine bemerkenswerte Fähigkeit, aus ihnen nicht zusagenden Becken herauszukriechen.


Systematik

Gattungen lt. Kottelat 2012 (insgesamt fast 250 Arten):

  • Tribus Balitorini
    (Syn.: Homalopterini), zwei oder mehr vorn liegende, unverzweigte Flossenstrahlen in Brust- und Bauchflossen
    • Balitora (Gray, 1830), 12 Arten; Vorder-, Hinterindien bis Südchina; 12 cm
    • Balitoropsis (Smith, 1945), 10 Arten; China bis Indonesien
    • Cryptotora (Kottelat, 1998), 1 Art; Thailand, in Höhlen, blind; 4 cm
    • Hemimyzon, 15 Arten; China, Taiwan, Laos, Vietnam, Thailand; 10 cm
    • Homaloptera (van Hasselt, 1823), 11 Arten; Indien bis China, Borneo, Indonesien; 13 cm
    • Homalopteroides (Fowler, 1905), 6 Arten; Südostasien
    • Homalopterula (Fowler, 1940), 6 Arten; Indonesien
    • Jinshaia (Kottelat & Chu, 1988), 3 Arten; China; 7 cm
    • Lepturichthys (Regan, 1911), 2 Arten; China; 13 cm
    • Metahomaloptera (Chang, 1944), 3 Arten; China; 5 cm
    • Neohomaloptera (Herre, 1944), 1 Art; Indonesien, Malaysia; 2 cm
    • Sinogastromyzon (Fang, 1930), 20 Arten; Vietnam, China, Taiwan; 14 cm
    • Travancoria (Hora, 1941), 2 Arten; Indien; 12 cm
    • Yaoshania (Kottelat, 2012), 1 Art; Guangxi (China) 5 cm
  • Tribus Gastromyzontini
    ein vorn liegender, unverzweigter Flossenstrahl in Brust- und Bauchflossen;
    selbst. Familie (Gastromyzontidae, Fowler, 1905) in Kottelat 2012
    • Annamia (Hora, 1932), 1 Art; Mekong-Gebiet; 8 cm
    • Beaufortia (Hora, 1932), 10 Arten; Südchina; 12 cm
    • Erromyzon (Kottelat, 2004), 3 Arten; Hinterindien, China; 5 cm
    • Formosania (Oshima, 1919), 10 Arten; China
    • Gastromyzon (Günther, 1874), 36 Arten; Borneo, Malaysia, Indonesien; 10 cm
    • Glaniopsis (Boulenger, 1899), 4 Arten; Borneo; 10 cm
    • Hypergastromyzon (Roberts, 1989), 2 Arten; Indonesien, Borneo; 5 cm
    • Katibasia (Kottelat, 2004), 1 Art; Borneo; 4 cm
    • Liniparhomaloptera (Fang, 1935), 4 Arten; Hinterindien, China; 7 cm
    • Neogastromyzon (Popta, 1905), 6 Arten; Indonesien; Malaysia; 7 cm
    • Paraprotomyzon (Pellegrin & Fang, 1935), 4 Arten; China; 6 cm
    • Parhomaloptera (Vaillant, 1902), 1 Art; Borneo; 9 cm
    • Plesiomyzon (Zheng & Chen, 1980), 1 Art; China (Hainan); 4 cm
    • Protomyzon (Hora, 1932), 4 Arten; China, Borneo; 7 cm
    • Pseudogastromyzon (Nichols, 1925), 9 Arten; Hinterindien, China; 7 cm
    • Sewellia (Hora, 1932), 13 Arten; Vietnam, Laos, China; 7 cm
    • Vanmanenia (Hora, 1932), 16 Arten; Vietnam, China, Laos; 9 cm
  • incertae sedis
    • Bhavania (2 Arten; Vorderindien; 10 cm)

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