Aquaristik
Die Entwicklung der Aquaristik in den letzten 100 Jahren ist vor allem darauf zurückzuführen, dass ein Aquarium ohne entsprechende technische und chemische Unterstützung in der Regel keinen Lebensraum für Fische und Pflanzen bieten kann.
Der Schwerpunkt der technischen Weiterentwicklung lag dabei vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ausschlaggebend hierfür waren:
Aquarien können aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt sein. Bis Ende der 1960er Jahre waren die meisten Aquarien Rahmenaquarien, bei denen Glasscheiben in Metallrahmen eingekittet und beispielsweise mit Bitumen abgedichtet wurden. Eine weitere Variante waren Vollglasaquarien mit einem Fassungsvermögen von bis zu 20 Litern.
Eine entscheidende Konstruktionsänderung kam erst mit der Entwicklung von Silikonklebern, die die früheren Metallrahmen überflüssig machten. Damit waren rahmenlose Aquarien in den verschiedensten Größen und Formen möglich.
Die typischen Aquarien der 1960er- und 1970er-Jahre waren meist an den Seiten mit Holz verkleidet. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass sich das Aquarium harmonisch in die Wohnung einfügte. In dieser Zeit legte man auch zunehmend Wert auf eine harmonische Pflanzenvielfalt im Becken, sodass das holländische Pflanzenaquarium entstand.
Für die Aquarien gibt es verschiedene Möglichkeiten und Methoden zur Temperatureinstellung.
Gebräuchlich sind Kontaktthermometer, elektronische Regeleinrichtungen und die manuelle Temperatureinstellung.
Die heute in Aquarien verwendeten Stabheizungen verfügen über Messsonden, die eine gradgenaue Einstellung ohne Zusatzgeräte ermöglichen.
Elektronische Regeleinrichtungen erlauben teilweise auch eine zeit- oder tageslichtgesteuerte Temperaturführung, die den täglichen Temperaturschwankungen in den Ursprungsgebieten der Fische entspricht.
Eine allmähliche Erhöhung der Wassertemperatur, wie sie beispielsweise bei einigen Labyrinthfischen notwendig ist, um die Laichbereitschaft auszulösen, ist mit elektronischen Reglern relativ einfach zu erzielen.
Anstelle von Stabheizungen, die in das Becken gehängt werden, gibt es auch verschiedene Arten von Bodenheizungen. In großen Aquarien findet sich oft eine direkte Erwärmung über Heizspiralen, die über die Zentralheizung gesteuert werden.
Auch die Meerwasseraquaristik, die lange Zeit vor allem von erfahrenen Aquarianern betrieben wurde, ist inzwischen einfacher umzusetzen.
Sie gilt jedoch immer noch als anspruchsvoller und kostenintensiver als die Süßwasseraquaristik.
In der Praxis haben sich nationale Vorlieben herausgebildet.
In Deutschland und wohl auch in vielen anderen Ländern werden Riffaquarien vor allem nach dem Berliner System betrieben.
Viele französische Meerwasseraquarianer nutzen das Jaubert-System, aus Nordamerika kommt die Deep-Sand-Methode, die ein enormes Wachstum von Steinkorallen bei geringem Technikeinsatz ermöglicht.
Weitere Pflegemöglichkeiten in der Meerwasseraquaristik sind die Zeovith-Methode oder ein Algenrefugium. Keines von ihnen lässt sich allerdings als das „beste“ System bezeichnen. Klassische Filter, wie sie in der Süßwasseraquaristik verwendet werden, haben sich nicht durchgesetzt.
Takashi Amano ist wahrscheinlich derzeit der einflussreichste Aquarianer in der Süßwasseraquaristik.
Er hat das sogenannte Naturaquarium populär gemacht. Dabei werden Landschaftsbilder der Natur nachgebildet, wobei die japanische Gartenkunst maßgeblich Einfluss genommen hat.
Dabei handelt es sich keineswegs um Biotop-Aquarien, bei denen ein Lebensraum exakt nachgebildet wird.
Vielmehr ist das Ziel, ästhetische Landschaften als Kontemplationsobjekte mit den Mitteln der Aquaristik zu gestalten.
Dabei werden Vorbilder aus Natur und Phantasie ins Aquarium übertragen.
Amano kombiniert dabei Pflanzen, die aus unterschiedlichen Kontinenten stammen, und vergesellschaftet Lebewesen, deren Lebensräume sich in der freien Natur nicht überschneiden.
In eine ähnliche Richtung geht auch der neuere Trend der Aquariengestaltung namens Aquascaping.
Hierbei steht die ansprechende Gestaltung einer Unterwasserwelt mit Pflanzen im Vordergrund. Oft werden nur sehr kleine Fische oder Wirbellose eingesetzt, teilweise wird auch vollständig auf Tiere verzichtet.
Zunehmend findet man heutzutage eine Vielzahl von sogenannten „Designaquarien“.
Diese Becken haben Säulen- oder Pyramidenform. Es werden auch Wandaquarien in Form eines Bildes oder einer Halbkugel angeboten. Diese haben jedoch ein zu geringes Volumen und sind daher zur Haltung von Fischen nicht geeignet.
Designer erfinden Beckeneinrichtungen aus Chromelementen oder Plastikschläuchen, die ebenfalls als Tierquälerei zu betrachten sind.
Die neueste Entwicklung ist das Bonsai-Aquarium. Ähnlich einem Paludarium wird hier Wert auf einen Landteil gelegt, der mit Wurzeln, Wasserfällen, Moos und kleinen Solitärpflanzen gestaltet ist. Das Becken dieses Aquarientyps hat eine halbierte Frontscheibe und abgeschrägte Seitenscheiben.
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