Fischlexikon: die Familie "Muraenidae" (Muränen)


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Muränen (Muraenidae)

Systematik

Familie:
Muraenidae
(Muränen)


Klasse:
Osteichthyes
(Knochenfische)

Muraenidae (Muränen)

Riesenmuräne

Riesenmuräne

Muränen (Muraenidae) sind eine Familie aalartiger Knochenfische, die mit etwa 200 bisher bekannten Arten in flachen tropischen und subtropischen Meeren verbreitet sind.

An den Küsten des südlichen Europa leben zwei Arten, die Mittelmeer-Muräne (Muraena helena) und die Braune Muräne (Gymnothorax unicolor).

Besonders häufig sind Muränen in den tropischen Korallenriffen. Bei den Marianen und bei den Marshall-Inseln werden 54 Arten gezählt.

Da Muränen die paarigen Flossen und der Kiemendeckel fehlen, ähneln sie äußerlich Schlangen.

Muränen werden 17 Zentimeter bis vier Meter lang (Strophidon sathete).

Fossilien muränenähnlicher Fische sind aus der Monte Bolca-Formation aus dem mittleren Eozän von Norditalien bekannt.

Die beiden Gattungen Dalpiaziella und Paranguilla haben noch kleine Brustflossen und werden in die Familie Paranguillidae eingeordnet. Eine nahe Verwandtschaft mit den heutigen Muränen ist unsicher.


Verbreitung

Muränen sind in flachen tropischen und subtropischen Meeren verbreitet. An den Küsten des südlichen Europa leben zwei Arten, die Mittelmeer-Muräne (Muraena helena) und die Braune Muräne (Gymnothorax unicolor).

Besonders häufig sind Muränen in den tropischen Korallenriffen. Bei den Marianen und bei den Marshall-Inseln werden 54 Arten gezählt. In den Gewässern um Hawaii sind sie mit 32 Arten nach den Lippfischen (Labridae) die artenreichste Fischfamilie.


Anatomie/Merkmale

Der Pharyngealkiefer

Der Pharyngealkiefer

Merkmale

Muränen sind langgestreckt und seitlich abgeflacht, die Anzahl der Wirbel liegt normalerweise zwischen 110 und 200, maximal sind es 260. Der Körper ist muskulös, besonders der Nacken.

Die Färbung ist oft bräunlich oder schwärzlich purpurn, tropische Arten sind häufig bunt gemustert oder hell.

Die Brust- und Bauchflossen sind schon bei den Larven vollständig verschwunden – im Gegensatz zu anderen Aalartigen ohne paarige Flossen, die diese im Larvenstadium noch besitzen.

Der Schultergürtel ist zu einer dünnen Spange reduziert (Ursprung von Pharyngeal-Muskeln).

Die Haut ist schuppenlos und von einer dicken, an der Luft klebrigen Schleimschicht überzogen, die die Tiere beim Gleiten durch scharfkantige Felsen oder Korallen vor Verletzungen schützt. Bei der indopazifischen Gelbmaulmuräne (Gymnothorax nudivomer) wurde ein giftiges Hautsekret gefunden.

Das Blut der Muränen ist wie das vieler, vielleicht aller anderen Aalartigen durch hämolytische Proteine giftig. Das Gift kann durch Erhitzen über 75 °C zerstört werden. Das Seitenlinienorgan der Muränen ist auf ein bis drei Porenreihen am Kopf und ein bis zwei Poren in der Kiemenregion reduziert. Bei einigen Arten sind die Poren weiß eingefasst und gut zu erkennen.

Die Maulspalte ist tief, reicht bis weit hinter das Auge und ist mit zahlreichen Zähnen besetzt. Neben den normalen Zähnen auf dem Kieferrand besitzen viele Arten noch spitze Knochenfortsätze in der Mitte des Oberkiefers. (Der Schädel weicht in dieser Region stark von dem der anderen Teleosteer ab.) Diese „Pseudozähne“ werden bei geschlossenem Kiefer umgeklappt. Die Zähne sind ein wichtiges Merkmal bei der Unterscheidung der Gattungen und Arten.

Im Schlund der Muränen sitzen die nur von Muskelbändern gehaltenen sogenannten Schlund- oder Pharyngealkiefer, die Teilen von Kiemenbögen entsprechen und dabei helfen, größere Futterbrocken in Richtung Magen zu ziehen.

Die Kiemenöffnungen liegen weit hinten am Kopf und sind klein und oval. Die Kiemendeckel fehlen; dafür sind aber die Branchiostegalradien, die die Kiemenmembran aufspannen, zahlreich und gut entwickelt. Muränen müssen das Wasser deswegen und weil das Suspensorium kaum beweglich ist, durch regelmäßiges Öffnen und Schließen des Mauls durch die Kiemen pumpen, ein Verhalten, das von Tauchern oft fälschlicherweise als "Drohen" angesehen wird. Drohen die Fische wirklich, reißen sie ihr Maul weit auf und verharren so, bis die Gefahr vorüber ist.

Muränen haben vier Nasenlöcher, von denen zwei an der Schnauzenspitze, die beiden anderen über den Vorderrändern der Augen sitzen. Die Nasenlöcher sind durch ein faltiges Kanalsystem miteinander verbunden, was eine große innere Oberfläche gibt und den Fischen einen ausgezeichneten Geruchssinn verleiht. Sie sehen dafür sehr schlecht. Sowohl die vorderen als auch die hinteren Nasenlöcher können röhrenartig verlängert sein. Die vorderen ragen dann über die Schnauzenspitze, die hinteren wirken wie Hörner zwischen den Augen.

Die Nasenlöcher sind auch das sicherste Unterscheidungsmerkmal zu den ähnlich aussehenden Schlangenaalen (Ophichthidae), denen ebenfalls oft die Brustflossen fehlen. Alle vier Nasenlöcher der Schlangenaale sitzen an der Schnauzenspitze, zwei von ihnen enden in nach unten gebogenen Röhren.

Lebensweise

Alle Muränen leben mehr oder weniger versteckt in Höhlen, Felsspalten und Korallenriffen und verlassen höchstens nachts zur Jagd vollständig ihren Unterschlupf. Sie schwimmen mit Hilfe schlängelnder Bewegungen des ganzen Körpers. Tagsüber ragt meist nur der Kopf aus dem Unterschlupf. Muränen sind standorttreu und suchen immer wieder dasselbe Versteck auf. Größere Muränen haben auch mehrere Unterschlupfe, die bis zu 200 Meter weit auseinander liegen können.

Höhlensysteme können von einzelnen oder von mehreren Muränen, manchmal auch von verschiedenen Arten bewohnt werden. Muränen leben oft dauerhaft mit Putzerlippfischen oder Putzergarnelen zusammen. Von diesen lassen sie sich säubern und im hierfür geöffneten Maul zwischen den Zähnen befindliche Speisereste entfernen. Die Putzer werden nicht gefressen.

Ernährung

Alle Muränen sind Raubfische und ernähren sich ausschließlich carnivor. Ausgesprochene Nahrungsspezialisten gibt es nicht. Die verschiedenen Arten ernähren sich jedoch bevorzugt, je nachdem, ob sie spitze oder abgerundete Zähne haben, von Fischen und Kopffüßern oder von hartschaligen, wirbellosen Tieren, wie Krebstieren.

Nur wenige Arten fressen Muscheln, Schnecken oder Seeigel. Fischfresser sind vor allem die Arten der Gattungen Enchelycore und Muraena, sowie viele Arten der Gattung Gymnothorax. Echidna und Gymnomuraena fressen vor allem hartschalige Tiere.

Die Fische jagen vor allem in der Dämmerung oder nachts, größere Exemplare nur jede zweite oder dritte Nacht oder noch seltener. Dabei spielt ihr gut entwickelter Geruchssinn eine große Rolle. Sie fressen auch Aas. Bei einigen Arten der Gattungen Echidna und Gymnothorax wurden bei Aquarienbeobachtungen eine spezielle Verhaltensweise festgestellt, die sonst nur noch bei Schleimaalen vorkommt.

Zum Abreißen von Nahrungsstücken aus größeren, toten Fischen bilden die überaus beweglichen Tiere einen Knoten und ziehen dabei den Kopf durch die entstehende Knotenschlinge. Diese drückt nun auf die Beute und bildet ein Widerlager beim Herausreißen von Fleischstücken. Die gleiche Technik wird benutzt, um Beute aus engen Spalten zu ziehen. Einige Arten haben dazu auch besonders schmale Mäuler.

Fortpflanzung

Über die Fortpflanzung der Muränen ist sehr wenig bekannt. Bei einigen Arten, so bei der Geistermuräne (Rhinomuraena quaesita) und der Sternfleckenmuräne (Echidna nebulosa), wurde ein Geschlechtswechsel festgestellt, der zudem mit einem Sexualdimorphismus einher geht.

Balzende Muränen richten sich auf, umschlingen sich mit den Körpern und reißen das Maul weit auf. Die Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus) legt 200.000 bis 300.000 Eier, die nach dem Aufquellen einen Durchmesser von 5 mm haben.


Systematik

Muraena augusti mit Putzergarnele

Muraena augusti mit Putzergarnele

Muränen gehören zu den Aalartigen Fischen und innerhalb dieser zusammen mit den zwei artenärmeren und weitge-hend unbekannten Familien Chlopsidae und Myrocongridae zur Unterordnung Muraenoidei.

Allen Angehörigen dieser Unterordnung fehlen die Schuppen, das Seitenlinienorgan und die Kiemenbögen sind reduziert und das Stirnbein ist geteilt.

Die Muränen werden in zwei Unterfamilien, 13 Gattungen und etwa 200 Arten unterteilt.

  • Unterfamilie Muraeninae
    die Kiemenbogenabschnitte sind nicht verknöchert. Der Flossensaum aus Rücken-, Schwanz- und Afterflosse ist deutlich ausgeprägt.
  • Gattung Cirrimaxilla
    • Cirrimaxilla formosa (Chen & Shao, 1995)
  • Gattung Echidna
    • Echidna amblyodon
    • Kettenmuräne (Echidna catenata)
    • Labyrinthmuräne (Echidna delicatula)
    • Echidna leucotaenia
    • Sternfleckenmuräne (Echidna nebulosa)
    • Echidna nocturna
    • Echidna peli
    • Ringelmuräne (Echidna polyzona)
    • Echidna rhodochilus
    • Echidna unicolor
    • Echidna xanthospilos
  • Gattung Enchelycore
    • Tigermuräne (Enchelycore anatina)
    • Enchelycore bayeri
    • Enchelycore bikiniensis
    • Enchelycore carychroa
    • Enchelycore kamara
    • Enchelycore lichenosa
    • Enchelycore nigricans
    • Enchelycore nycturanus
    • Schmalkiefermuräne (Enchelycore octaviana)
    • Drachenmuräne (Enchelycore pardalis)
    • Enchelycore ramosa
    • Weißrandmuräne
  • Gattung Enchelynassa
    • Enchelynassa formosa
  • Gattung Gymnomuraena
  • Gattung Gymnothorax
    • Gymnothorax afer
    • Gymnothorax albimarginatus
    • Gymnothorax angusticauda
    • Gymnothorax angusticeps
    • Gymnothorax annasona
    • Gymnothorax annulatus
    • Gymnothorax atolli
    • Gymnothorax australicola
    • Gymnothorax austrinus
    • Gymnothorax bacalladoi
    • Gymnothorax baranesi
    • Gymnothorax bathyphilus
    • Gymnothorax berndti
    • Bartmuräne (Gymnothorax breedeni)
    • Gymnothorax buroensis
    • Kastanienmuräne (Gymnothorax castaneus)
    • Gymnothorax castlei
    • Gymnothorax cephalospilus
    • Gymnothorax chilospilus
    • Gymnothorax chlamydatus
    • Gymnothorax conspersus
    • Gymnothorax cribroris
    • Gymnothorax dorsalis
    • Melierte Muräne (Gymnothorax dovii)
    • Gymnothorax elegans
    • Gymnothorax enigmaticus
    • Gymnothorax equatorialis
    • Abbotts Muräne (Gymnothorax eurostus)
    • Gymnothorax eurygnathos
    • Netzmuräne (Gymnothorax favagineus)
    • Gelbkopfmuräne (Gymnothorax fimbriatus)
    • Gelbgefleckte Muräne (Gymnothorax flavimarginatus)
    • Gymnothorax flavoculus
    • Gymnothorax formosus
    • Grüne Muräne (Gymnothorax funebris)
    • Gymnothorax fuscomaculatus
    • Gymnothorax gracilicauda
    • Graue Muräne(Gymnothorax griseus)
    • Gymnothorax hepaticus
    • Gymnothorax herrei
    • Gymnothorax hubbsi
    • Gymnothorax intesi
    • Jaguarmuräne (Gymnothorax isingteena)
    • Riesenmuräne (Gymnothorax javanicus)
    • Gymnothorax johnsoni
    • Kidako-Muräne (Gymnothorax kidako)
    • Gymnothorax kolpos
    • Gymnothorax kontodontos
    • Gymnothorax longinquus
    • Gymnothorax maderensis
    • Gymnothorax mareei
    • Gymnothorax margaritophorus
    • Gymnothorax marshallensis
    • Gymnothorax mccoskeri
    • Gymnothorax megaspilus
    • Gymnothorax melatremus
    • Perlenmuräne (Gymnothorax meleagris)
    • Gymnothorax microspila
    • Gymnothorax microstictus
    • Goldschwanzmuräne (Gymnothorax miliaris)
    • Gymnothorax minor
    • Gymnothorax moluccensis
    • Gymnothorax monochrous
    • Gymnothorax monostigma
    • Gymnothorax mordax
    • Gefleckte Muräne (Gymnothorax moringa)
    • Gymnothorax mucifer
    • Gymnothorax nasuta
    • Gymnothorax neglectus
    • Gymnothorax nigromarginatus
    • Gymnothorax niphostigmus
    • Gymnothorax nubilus
    • Gelbmaulmuräne (Gymnothorax nudivomer)
    • Gymnothorax nuttingi
    • Gymnothorax obesus
    • Südliche Augenfleckmuräne (Gymnothorax ocellatus)
    • Gymnothorax panamensis
    • Gymnothorax parini
    • Gymnothorax phalarus
    • Gymnothorax phasmatodes
    • Gymnothorax philippinus
    • Gymnothorax pictus
    • Gymnothorax pikei
    • Gymnothorax pindae
    • Gymnothorax polygonius
    • Gymnothorax polyspondylus
    • Leopardmuräne (Gymnothorax polyuranodon)
    • Gymnothorax porphyreus
    • Gymnothorax prasinus
    • Gymnothorax prionodon
    • Gymnothorax prismodon
    • Gymnothorax prolatus
    • Gymnothorax pseudoherrei
    • Gymnothorax pseudothyrsoideus
    • Gymnothorax punctatofasciatus
    • Gymnothorax punctatus
    • Gymnothorax randalli
    • Gymnothorax reevesii
    • Gymnothorax reticularis
    • Richardson-Muräne (Gymnothorax richardsonii)
    • Gymnothorax robinsi
    • Gelbstirnmuräne (Gymnothorax rueppellii)
    • Gymnothorax sagenodeta
    • Gymnothorax sagmacephalus
    • Gymnothorax saxicola
    • Gymnothorax serratidens
    • Gymnothorax sokotrensis
    • Gymnothorax steindachneri
    • Weißaugen-Muräne (Gymnothorax thrysoideus)
    • Goldstaubmuräne (Gymnothorax tile)
    • Marmormuräne (Gymnothorax undulatus)
    • Braune Muräne (Gymnothorax unicolor)
    • Gymnothorax vagrans
    • Gymnothorax verrilli
    • Gymnothorax vicinus
    • Gymnothorax woodwardi
    • Gymnothorax ypsilon
    • Weißfleckenmuräne (Gymnothorax zonipectis)
  • Gattung Monopenchelys
    • Monopenchelys acuta
  • Gattung Muraena
    • Muraena appendiculata
    • Pazifische Weißfleckenmuräne (Muraena argus)
    • Muraena augusti
    • Muraena australiae
    • Uhrglasmuräne (Muraena clepsydra)
    • Mittelmeer-Muräne (Muraena helena)
    • Muraena insularum
    • Muraena lentiginosa
    • Hornmuräne (Muraena melanotis)
    • Schwarzohrmuräne (Muraena pavonina)
    • Atlantische Netzmuräne (Muraena retifera)
    • Muraena robusta
  • Gattung Pseudechidna
    • Weiße Geistermuräne (Pseudechidna brummeri)
    • Muraena appendiculata
    • Weiße Bandmuräne (Pseudechidna brummeri)
  • Gattung Rhinomuraena
  • Gattung Strophidon
    • Riesen-Deltamuräne (Strophidon sathete)
  • Unterfamilie Uropterygiinae
    beim ersten und zweiten Kiemenbogen ist der jeweils unterste der vier Kiemenbogenabschnitte verknöchert. Neben dem Verlust der paarigen Flossen ist auch der Flossensaum reduziert, so dass die Fische noch schlangenähnlicher wirken. Flossenstrahlen sind nur an der Schwanzspitze vorhanden.
  • Gattung Anarchias
    • Anarchias allardicei
    • Anarchias cantonensis
    • Anarchias euryurus
    • Anarchias galapagensis
    • Anarchias leucurus
    • Anarchias longicaudis
    • Anarchias maldiviensis
    • Seychellenmuräne (Anarchias seychellensis)
    • Anarchias similis
  • Gattung Channomuraena
    • Channomuraena bauchotae
    • Channomuraena vittata
  • Gattung Scuticaria
  • Gattung Uropterygius
    • Uropterygius alboguttatus
    • Uropterygius concolor
    • Uropterygius fasciolatus
    • Uropterygius fuscoguttatus
    • Uropterygius genie
    • Uropterygius golanii
    • Uropterygius inornatus
    • Uropterygius kamar
    • Nadelzahnmuräne (Uropterygius macrocephalus)
    • Uropterygius macularius
    • Uropterygius makatei
    • Uropterygius marmoratus
    • Uropterygius micropterus
    • Uropterygius nagoensis
    • Uropterygius polyspilus
    • Uropterygius polystictus
    • Uropterygius supraforatus
    • Uropterygius versutus
    • Uropterygius wheeleri
    • Uropterygius xanthopterus
    • Uropterygius xenodontus

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