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Fischlexikon: die Gattung "Brochis"
| Systematik | |
|---|---|
| Gattung: | Brochis |
| Familie: | Callichthyidae (Panzer- und Schwielenwelse) |
| Ordnung: | Siluriformes (Welsartige) |
Brochis
Brochis ist eine Gattung kleiner Süßwasserfische aus der Familie der Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae) innerhalb der Ordnung der Welsartigen (Siluriformes).
Inhalt
- Lebensraum
- Merkmale
- Haltung im Aquarium
- Fortpflanzung
- Ernährung
- Fischkrankheiten
- Artenverzeichnis (Systematik)
Lebensraum
Brochis-Arten sind in den Süßgewässern Südamerikas heimisch. Diese Welse bevorzugen flache Bäche und Flüsse mit langsamer bis schneller Strömung. Sie leben bodenorientiert auf weichem, sandigem Bodengrund, den sie auf der Suche nach Nahrung durchwühlen. Das Wasser ihres Lebensraums ist in der Regel sehr weich und schwach sauer.
Brochis-Arten sind wie alle Arten der Unterfamilie Panzerwelse (Corydoradinae) akzessorische Darmatmer. Sie sind in der Lage, nicht nur im Wasser gelösten Sauerstoff über die Kiemen aufzunehmen, sondern auch den Sauerstoff aus der an der Wasseroberfläche aufgenommenen Luft über den stark durchbluteten Darm aufzunehmen.
Sie bewegen sich zwar normalerweise nur dicht über dem Bodengrund, um dort nach Futter zu suchen. Ab und zu stoßen sie sehr schnell an die Wasseroberfläche, schnappen nach Luft und schwimmen genauso schnell wieder zurück zum Bodengrund, wobei in der Regel die verbrauchte Luft wieder aus ihrem After entweicht.
Merkmale
Die Körperform der Brochis-Arten ist leicht hochrückig und seitlich etwas abgeflacht. Die höchste Stelle des Körpers befindet sich unter dem Ansatz der Rückenflosse.
Die Rückenlinie ist deutlich stärker gebogen als die Bauchlinie. Die keilförmige Schnauze ist lang gestreckt, läuft nach vorn spitz zu und weist meist ein konkaves Profil auf (Langschnäuzer). Die Haut auf der Schnauze ist mit stabilen Knochenplatten bedeckt.
Das Mesethmoid, ein Schädelknochen, ist bei Arten der Gattung Brochis mittelgroß bis sehr groß. Bei der Gattung Corydoras ist es etwas kleiner, bei der Gattung Gastrodermus sehr kurz. Bei den Gattungen Aspidoras, Hoplisoma und Osteogaster ist es klein bis mittelgroß.
Da die Gattung Brochis im Zuge der jüngsten Revision stark vergrößert wurde und nun mehrere alte Entwicklungslinien (Kladen) umfasst, sind dort heute sowohl Arten mit extrem langen Schnauzen als auch Übergangsformen zu finden. Brochis ist die Schwestergattung von Osteogaster. Brochis-Arten sind die größten Panzerwelse.
Diese Unterschiede in der Schnauzenform hängen eng mit der Lebensweise am Bodengrund zusammen. Während Rundschnäuzer wie Hoplisoma eher oberflächlich im Sand wühlen, können Langschnäuzer wie Corydoras oder die großen Brochis-Arten viel tiefer in lockere Sedimentschichten vordringen, um nach Nahrung zu suchen.
Das Maul der Brochis-Arten ist unterständig und zeigt stark nach unten, sodass die Fische den Boden perfekt nach Futter absuchen können. Es ist von zwei Paaren Maxillarbarteln (Oberkieferbarteln) und einem Paar Mandibularbarteln (Unterlippenbarteln) umgeben. Sie dienen als Tast- und Geschmacksorgane.
Die sehr beweglichen Augen sitzen ziemlich weit oben am Kopf. Sie können unabhängig voneinander nach oben oder unten gedreht werden, sodass es den Anschein hat, als würde der Fisch blinzeln.
Das Seitenlinienorgan ist, wie bei fast allen Arten der Familie Callichthyidae, äußerlich stark reduziert. Es verläuft zwischen den beiden lateralen Knochenplattenreihen. Es ist nur auf den vorderen Knochenplatten direkt hinter dem Kopf als sichtbare Poren ausgebildet.
Anstelle von Schuppen ist der Körper der Brochis-Arten mit zwei Reihen Knochenplatten bedeckt. Diese sind dachziegelartig angeordnet und überlappen sich, sodass die Fische gut gegen Fressfeinde geschützt sind. Die obere Reihe besteht in der Regel aus etwa 21 bis 25 Platten, die untere aus 19 bis 23.
Im Vergleich zu anderen Gattungen dieser Familie sind die Rückenflossenstrahlen der Brochis-Arten verlängert und die Rückenflosse selbst besitzt mehr Strahlen.
Der hintere Rand des vorderen Stachels der Rückenflosse ist mit gleichmäßigen Zacken ausgestattet, die in der Regel zur Stachelbasis hin zeigen. Bei den anderen Gattungen der Panzerwelse stehen diese Zacken senkrecht, sie sind jedoch meist auf die Spitze des Stachels gerichtet.
Bei der Art Brochis difluviatilis sind keine Zacken vorhanden. Der hintere Rand des Brustflossenstachels ist bei Brochis-Arten gleichmäßig gezähnt.
Brochis-Arten verfügen über verhärtete Stacheln an der Rückenflosse, den Brustflossen und der Fettflosse. Die Stacheln der Rücken- und der Brustflossen sind am Flossenansatz mit Giftdrüsen, den sogenannten Achseldrüsen, versehen. Die Stacheln sind modifizierte, sehr spitze Flossenstrahlen, die bei Gefahr fest arretiert werden können.
Bei einem Stich reißt das Gewebe, und das am Stachelansatz produzierte Giftsekret wird in die Wunde injiziert. Ein solcher Stich ist in der Regel harmlos, kann jedoch manchmal auch schmerzhaft sein und zu Rötungen, Schwellungen oder Taubheitsgefühlen führen, die denen nach einem Bienen- oder Wespenstich ähneln.
Die Färbung dieser Fische variiert von silbrig bis grünlich-gelb. Ihre Flossen sind weitgehend farblos-transparent und zeigen bei den meisten Arten keine besonderen Zeichnungsmerkmale.
Die Weibchen der Gattung Brochis sind in der Regel größer und kräftiger als die Männchen. Außerdem ist die Bauchseite der Weibchen stärker ausgebuchtet.
Auch bei der Rückenflosse gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Sie kann beim Weibchen kleiner oder abgerundet sein, beim Männchen ist sie dagegen größer und oben zugespitzt.
Haltung im Aquarium
Die nachfolgende Beschreibung gilt für die meisten Arten der Gattung Brochis. Abweichungen sind in der jeweiligen Artenbeschreibung angegeben.
Da Panzerwelse akzessorische Darmatmer sind, schießen sie in regelmäßigen Abständen blitzschnell an die Wasseroberfläche, um atmosphärische Luft aufzunehmen (siehe weiter oben unter „Lebensraum“).
Sie müssen daher freien Zugang zur Wasseroberfläche haben, und die Wasseroberfläche darf niemals komplett mit Pflanzen zugewachsen sein. Das Becken sollte gut abgedeckt sein, damit sich die Luft über der Wasseroberfläche nicht zu stark abkühlt.
Je nach Anzahl und Größe der Tiere sollten Aquarien für Panzerwelse ein Volumen von etwa 60 bis 200 Litern besitzen und einen Wasserstand von 30 bis 50 cm (für erwachsene Tiere) aufweisen. In einem Zuchtbecken sollte der Wasserstand deutlich niedriger sein (etwa 10 bis 25 cm).
Die Wassertemperatur sollte bei etwa 25 °C, der pH-Wert bei 7,0 oder etwas niedriger und die Gesamthärte zwischen 5 und 15 °dH liegen. Die Zugabe von Seemandelbaumblättern oder Erlenzapfen senkt den pH-Wert, puffert Schwankungen der Wasserwerte ab und stärkt das Immunsystem der Fische.
Im Hintergrund des Beckens sollte eine dichte Bepflanzung mit feinfiedrigen Pflanzen wie Hornkraut (Ceratophyllum), Tausendblatt (Myriophyllum) oder Sumpffreunden (Limnophila) vorhanden sein. Es sollten jedoch auch ausreichend freier Schwimmraum und eine unbewachsene Bodenfläche zum Gründeln vorhanden sein. Wichtiger als die Höhe ist die Grundfläche des Aquariums.
Wichtig ist ein dunkler, weicher und nicht scharfkantiger Bodengrund, idealerweise feiner Sand, da sich die Tiere sonst die Barteln verletzen können, wenn sie den Boden „durchkauen“ und nach Nahrung suchen.
Durch ihre bodengebundene Lebensweise nehmen sie ihre Nahrung in der Regel vom Bodengrund auf. Da sie beim Gründeln das Wasser stark trüben können, wird eine leistungsfähige Filterung empfohlen.
Es sollten auch unbedingt Versteckmöglichkeiten wie Wurzeln (Moorkienholz), Steinaufbauten oder Tonröhren vorhanden sein.
Da diese sehr geselligen und friedlichen Fische ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen, sollten sie unbedingt in Gruppen von mindestens 6, besser 10 oder mehr Tieren gehalten werden. Eine Einzelhaltung oder Haltung in zu kleinen Gruppen sollte vermieden werden, da sie dem ausgeprägten Sozialverhalten dieser Fische nicht gerecht wird.
Da diese Welse empfindlich auf Nitrat reagieren, sind eine regelmäßige Reinigung des Bodengrunds und ein wöchentlicher Wasserwechsel erforderlich.
In den ersten Wochen in einem neuen Becken reagieren diese Welse oft panisch auf plötzliche Geräusche im Raum oder Schritte vor dem Aquarium. Dies legt sich jedoch, sobald sie sich eingewöhnt haben und die Gruppe groß genug ist.
Diese Fische bevorzugen eine eher schwache Beleuchtung. Da sie in der Natur oft unter schattenspendenden Uferpflanzen leben, kann eine zu grelle Beleuchtung Stress verursachen. Schwimmpflanzen wie Pistia stratiotes können dabei helfen, das Licht auf natürliche Weise zu dämpfen.
Wir empfehlen abwechslungsreiches, schnell sinkendes Futter wie kleines Lebendfutter (Artemia, Mückenlarven), Frostfutter wie Cyclops, Welstabletten, Trockenfutter oder Tubifex. Ab und zu kann auch etwas überbrühtes Gemüse gegeben werden. Verfüttern Sie mehrmals täglich kleine Portionen.
Fortpflanzung
Die nachfolgende Beschreibung gilt für die meisten Arten der Gattung Brochis. Abweichungen sind in der jeweiligen Artenbeschreibung aufgeführt.
Diese Fische erreichen in der Regel nach etwa 8 bis 12 Monaten die Geschlechtsreife. Das Ablaichen wird häufig durch die Simulation der Regenzeit ausgelöst, beispielsweise durch einen kräftigen Wasserwechsel mit kühlerem Wasser, eine längere, intensive Fütterung mit proteinreicher Nahrung sowie weiches (unter 8 °dH) und saures Wasser (pH-Wert 6,0 bis 6,8).
Um die Regenzeit zu simulieren, sollte die Wassertemperatur im Zuchtbecken von etwa 25 °C auf 21 bis 22 °C abgesenkt werden.
Für die meisten Arten eignet sich ein gut bepflanztes Zuchtbecken. Die Wasserhöhe im Zuchtbecken sollte dabei etwa 20 bis 25 cm betragen.
Das Zuchtbecken sollte mit mindestens zwei Männchen pro Weibchen besetzt werden, beispielsweise mit drei Weibchen und sechs Männchen.
Während der Paarung schwimmt das Weibchen unruhig durch das Becken und reinigt potenzielle Laichstellen.
Die Männchen folgen dem Weibchen aufgeregt und vibrieren dabei intensiv. Sie stupsen das Weibchen an den Körperflanken an. Bei der Befruchtung stellt sich das Männchen quer vor den Kopf des Weibchens, sodass ihre Körper die Form eines „T“ bilden. Nun gibt das Männchen sein Sperma ab. Das Weibchen nimmt das Sperma (vermutlich über das Maul oder die Kiemen) auf und leitet es zu den Eiern weiter.
Mit seinen Bauchflossen bildet das Weibchen eine kleine Tasche, in der es einige Eier auffängt. Anschließend schwimmt es zu einer zuvor gereinigten, glatten Fläche – meist an der Aquariumscheibe, an Pflanzenblättern oder an Laichmopps – und heftet die Eier dort einzeln oder in kleinen Trauben an.
Je nach Art kann ein Weibchen pro Laichgang mehrere hundert stark klebende, etwa 2 mm große Eier legen. Da die Elterntiere Laichräuber sind, sollten die Eier oder die Elterntiere nach dem Ablaichen getrennt werden.
Je nach Temperatur schlüpfen die Fischlarven nach etwa 3 bis 5 Tagen. Nach weiteren 2 bis 3 Tagen ist der Dottersack aufgebraucht und die Jungfische können mit Artemia-Nauplien, Essigälchen, Mikrowürmern oder feinem Flockenfutter gefüttert werden.
Nach etwa 10 bis 14 Tagen können gesiebte Cyclops, Artemia, feines Frostfutter oder zerriebene Futtertabletten (z. B. mit Spirulina) verfüttert werden. Jungfische sollten 3- bis 6-mal täglich in kleinen Portionen gefüttert werden.
Die Jungfische reagieren sehr empfindlich auf Nitrit und eine hohe Keimdichte. Tägliche, kleine Wasserwechsel im Aufzuchtbecken sowie das Absaugen von Futterresten sind daher absolut überlebenswichtig.
In Aufzuchtbecken ohne Bodengrund sollte beim Wasserwechsel auch die Bodenscheibe gereinigt werden. Hier entstehende Bakterienrasen (Biofilm aus Mikroorganismen) können bei Jungfischen die Entwicklung der Barteln stören.
Für die Aufzucht der Larven sollte der Wasserstand im Aufzuchtbehälter auf 8 bis 12 cm abgesenkt werden. Da die Larven nach dem Aufbrauchen des Dottersacks zur Wasseroberfläche schwimmen müssen, um ihre Schwimmblase mit Luft zu füllen, verkürzt ein niedriger Wasserstand diesen kraftzehrenden Weg und verhindert, dass sie ertrinken.
Jungtiere in beengten Behältnissen sollen zu einer gewissen Aggressivität neigen. Deshalb ist es wichtig, dass sie frühzeitig ausreichend Platz erhalten.
Ernährung
Brochis-Arten sind Allesfresser. In der freien Natur ernähren sie sich vorwiegend von Zooplankton, kleinen Krebstieren, Insektenlarven und Würmern, aber auch von Detritus und Algen.
Fischkrankheiten
Weitere Informationen zu Krankheiten der Panzer- und Schwielenwelse findet ihr in der Beschreibung der Familie Callichthyidae.
Systematik
Zurzeit gibt es über 40 beschriebene und viele bisher noch unbeschriebene Arten der Gattung Brochis (Stand: Oktober 2026)
- Silberstreifen-Panzerwels (Brochis agassizii)
- Brochis amandajanea
- Brochis ambiacus
- Brochis approuaguensis
- Brochis arcuatus
- Brochis bethanae
- Brochis bifasciatus
- Hoher Panzerwels (Brochis britskii)
- Brochis brittoi
- Brochis condiscipulus
- Brochis costai
- Brochis crimmeni
- Brochis crypticus
- Brochis delphax
- Brochis deweyeri
- Brochis difluviatilis
- Brochis ephippifer
- Brochis garbei
- Brochis geryi
- Brochis gomezi
- Prachtcorydoras (Brochis haraldschultzi)
- Brochis heteromorphus
- Imitator-Panzerwels (Brochis imitator)
- Brochis incolicana
- Brochis isbrueckeri
- Brochis lamberti
- Leopardpanzerwels (Brochis leopardus)
- Spitzkopf-Smaragdpanzerwels (Brochis multiradiatus)
- Brochis noelkempffi
- Brochis ornatus
- Brochis orphnopterus
- Pantanal Panzerwels (Brochis pantanalensis)
- Brochis pinheiroi
- Brochis pulcher
- Netz-Panzerwels (Brochis reticulatus)
- Flaggenschwanz-Panzerwels (Brochis robineae)
- Brochis robustus
- Brochis seussi
- Genetzter Panzerwels (Brochis sodalis)
- Brochis spectabilis
- Smaragdpanzerwels (Brochis splendens)
- Sychri-Panzerwels (Brochis sychri)
- Brochis virginiae
Literaturhinweise:
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