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Fischlexikon: die Gattung "Gastrodermus"
| Systematik | |
|---|---|
| Gattung: | Gastrodermus |
| Familie: | Callichthyidae (Panzer- und Schwielenwelse) |
| Ordnung: | Siluriformes (Welsartige) |
Gastrodermus
Gastrodermus ist eine Gattung kleiner Süßwasserfische aus der Familie der Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae) innerhalb der Ordnung der Welsartigen (Siluriformes).
Inhalt
- Verbreitung, Lebensraum
- Merkmale
- Haltung im Aquarium
- Fortpflanzung
- Ernährung
- Fischkrankheiten
- Artenverzeichnis (Systematik)
Verbreitung, Lebensraum
Gastrodermus-Arten sind in den Süßgewässern Südamerikas heimisch. Diese Panzerwelse sind Schwarmfische, die vorwiegend am Gewässerboden, aber auch im freien Wasser leben.
Sie bevorzugen ruhige bis mäßig fließende Flussabschnitte sowie ufernahe Bereiche. Der Boden dieser Gewässer ist reichlich mit Totholz, Wurzeln und Laub bedeckt.
Die Gewässer sind in der Regel sehr weich bis weich und schwach sauer bis neutral. Die Wassertemperatur liegt zwischen 22 und 26 °C.
Merkmale
Der Vorderkörper ist schwach hochrückig. Die höchste Stelle des Körpers befindet sich unter dem Ansatz der Rückenflosse. Die Rückenlinie ist deutlich stärker gebogen als die Bauchlinie.
Die relativ kurze Schnauze ist vorne deutlich abgerundet (Rundschnäuzer).
Die Haut der Schnauze ist meist nackt oder nur spärlich mit winzigen, isolierten Knochenplättchen bedeckt.
Das Mesethmoid ist mittelgroß und auffallend kurz. Bei den Gattungen Corydoras ist es dagegen groß, bei der Gattung Brochis ist es sehr groß.
Das Maul der Gastrodermus-Arten ist unterständig und relativ hoch am Kopf angesetzt. Es wird von zwei Paaren Maxillarbarteln (Oberkieferbarteln) und einem Paar sehr empfindlicher Mandibularbarteln (Unterkieferbarteln) umgeben. Diese dienen als Tast- und Geschmacksorgane und sind sind äußerst empfindlich.
Anstelle von Schuppen ist ihr Körper mit zwei Reihen von Knochenplatten bedeckt. Diese sind dachziegelartig angeordnet und überlappen sich, sodass die Fische gut gegen Fressfeinde geschützt sind. Die obere Reihe besteht in der Regel aus 20 bis 24 Platten, die untere aus 18 bis 22.
Wie alle echten Panzerwelse haben auch die Arten der Gattung Gastrodermus keine Knochenplatten zwischen der Rücken- und der Fettflosse. Dies ist ein zentrales anatomisches Merkmal, durch das sie sich von der Unterfamilie der Schwielenwelse unterscheiden.
Das Seitenlinienorgan ist stark verkürzt. Porenorgane finden sich meist nur auf den ersten ein bis drei Knochenplatten direkt hinter dem Kopf.
Gastrodermus-Arten verfügen über verhärtete Stacheln an der Rückenflosse, den Brustflossen und der Fettflosse.
Die Stacheln der Rückenflosse und der Brustflossen sind dabei besonders kräftig ausgebildet. Sie sind am Flossenansatz mit Giftdrüsen, den sogenannten Achseldrüsen, versehen. Bei starkem Stress oder Verletzung können sie ein mildes Toxin abgeben, das Fressfeinde abschreckt. Die Stacheln sind modifizierte, sehr spitze Flossenstrahlen, die bei Gefahr senkrecht arretiert werden können.
Der hintere Rand des Brustflossenstachels ist in der Regel gezackt mit Zacken versehen. Diese stehen in der Regel senkrecht oder zeigen in Richtung der Stachelspitze. Bei anderen Arten dieser Familie zeigen diese Zacken hingegen zur Stachelbasis.
Die Körperfärbung variiert von gelblich oder bräunlich über gräulich und silbrig bis hin zu olivfarben. Bei entsprechendem Lichteinfall können die Fische einen metallischen, goldgelben, türkisblauen oder bräunlichen Schimmer zeigen.
Oft zeigen Fische der Gattung Gastrodermus einen starken Farbunterschied zwischen den Geschlechtern (Geschlechtsdimorphismus). Vor allem die Männchen zeichnen sich durch eine dunklere Färbung aus und werden insbesondere während der Balz erheblich dunkler als die Weibchen.
Die Weibchen der Gastrodermus-Arten sind deutlich größer und kräftiger als die Männchen. Außerdem ist die Bauchseite der Weibchen während der Laichzeit stärker ausgebuchtet.
Haltung im Aquarium
Die nachfolgende Beschreibung gilt für die meisten Arten der Gattung Gastrodermus. Abweichungen sind in der jeweiligen Artenbeschreibung angegeben.
Da Panzerwelse ein Darmatmer sind, nehmen sie auch Sauerstoff von der Wasseroberfläche auf. Sie sollten daher freien Zugang zur Oberfläche haben.
In regelmäßigen Abständen schießen die Fische blitzschnell an die Wasseroberfläche, um atmosphärische Luft aufzunehmen. Der Sauerstoff wird dann über den Darmtrakt veratmet.
Die Wasseroberfläche darf daher niemals vollständig mit Pflanzen bedeckt sein. Außerdem darf die Luft über dem Wasser nicht zu kühl sein, damit sich die Fische nicht erkälten. Am besten wird das Becken daher abgedeckt.
Die Zugabe von Seemandelbaumblättern oder Erlenzapfen senkt den pH-Wert, puffert Schwankungen der Wasserwerte ab und stärkt das Immunsystem der Fische.
Im Hintergrund des Beckens sollte eine dichte Bepflanzung mit feinfiedrigen Pflanzen, wie z.B. Vallisneria natans, Anubias oder Javafarn, vorhanden sein.
Es sollte jedoch auch ausreichend freier Schwimmraum und bewuchsfreie Bodenfläche zum Gründeln vorhanden sein. Wichtiger als die Höhe ist die Grundfläche des Aquariums. Im Vergleich zu anderen Panzerwelsen bewegt sich diese Art oft in den mittleren Wasserschichten.
Der Bodengrund sollte dunkel, weich und nicht scharfkantig sein, idealerweise feiner, runder Sand. Die Tiere können sich sonst die Barteln verletzen, wenn sie den Boden „durchkauen” und nach Nahrung suchen. Beim Gründeln stecken sie den Kopf tief in den Sand.
Es sollten auch unbedingt Versteckmöglichkeiten vorhanden sein, zum Beispiel Wurzeln aus Moorkienholz, Steinaufbauten oder Tonröhren.
Da dieser Fisch ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten besitzt, sollte er unbedingt in Gruppen von 8 bis 10 Tieren gehalten werden. Er darf niemals einzeln gehalten werden, auch in kleineren Gruppen verkümmern diese Fische.
Diese Welse sind weder aggressiv noch territorial. Auch während der Brutzeit verhalten sie sich friedlich und eignen sich somit perfekt für ein Gesellschaftsbecken mit anderen ruhigen Fischen. Bei großen Gruppen empfehlen wir ein Artaquarium.
Da diese Welse sehr empfindlich auf Nitrat reagieren, sind eine regelmäßige Reinigung des Bodengrunds und ein wöchentlicher Wasserwechsel zwingend erforderlich. Das Wasser sollte mäßig durchströmt und sauerstoffreich sein.
Diese Fische bevorzugen eine eher schwache Beleuchtung. Da sie in der Natur oft unter schattenspendenden Uferpflanzen leben, kann eine zu grelle Beleuchtung Stress verursachen. Schwimmpflanzen, wie beispielsweise Pistia stratiotes können dabei helfen, das Licht auf natürliche Weise zu dämpfen.
In den ersten Wochen in einem neuen Becken reagieren diese Welse oft panisch auf plötzliche Geräusche im Raum oder Schritte vor dem Aquarium. Dies legt sich jedoch, sobald sie sich eingewöhnt haben und die Gruppe groß genug ist.
Fortpflanzung
Die nachfolgende Beschreibung gilt für die meisten Arten der Gattung Gastrodermus. Abweichungen sind in der jeweiligen Artenbeschreibung aufgeführt.
Die Geschlechtsreife tritt in der Regel im Alter von etwa 8 bis 12 Monaten ein. Das Ablaichen wird häufig durch die Simulation der Regenzeit ausgelöst, beispielsweise durch einen kräftigen Wasserwechsel mit kühlerem Wasser, eine längere intensive Fütterung mit proteinreicher Nahrung sowie durch weiches (< 5 °dH) und saures Wasser (pH-Wert 5,8–6,8). Die Wasserhöhe im Zuchtbecken sollte dabei etwa 20 bis 25 cm betragen.
Um die Regenzeit zu simulieren, sollte die Wassertemperatur im Zuchtbecken von etwa 25 °C auf 21 bis 22 °C abgesenkt werden.
Das Zuchtbecken sollte mit mindestens zwei Männchen pro Weibchen besetzt werden, beispielsweise mit drei Weibchen und sechs Männchen.
Während der Paarung schwimmt das Weibchen unruhig durch das Becken und putzt potenzielle Laichstellen.
Die Männchen folgen ihm aufgeregt (sie Vibrieren intensiv) und stupsen das Weibchen an den Körperflanken an. Bei der Befruchtung stellt sich das Männchen quer vor den Kopf des Weibchens, sodass ihre Körper die Form eines „T” bilden.
Während dieser Stellung gibt das Männchen sein Sperma ab. Das Weibchen nimmt dieses (vermutlich über das Maul oder die Kiemen) auf und leitet es zu den Eiern weiter.
Mit seinen Bauchflossen bildet das Weibchen eine kleine Tasche, in der es einige Eier auffängt. Anschließend schwimmt es zu einer zuvor gereinigten, glatten Fläche – meist die Aquarienscheibe, Pflanzenblätter oder Laichmopps – und klebt die Eier dort einzeln oder in kleinen Gruppen fest. Dabei bevorzugt das Weibchen Stellen mit der höchsten Wasserströmung.
Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, wobei das Weibchen pro Laichzyklus 80 bis 300 Eier ablegen kann. Da die Elterntiere Laichräuber sind, sollten die Eier oder die Elterntiere nach dem Ablaichen getrennt werden.
Je nach Temperatur schlüpfen die Fischlarven nach etwa 3 bis 5 Tagen. Nach weiteren 2 bis 3 Tagen ist der Dottersack aufgebraucht und die Jungfische können mit Artemia-Nauplien, Essigälchen, Mikrowürmern oder feinem Flockenfutter gefüttert werden.
Nach etwa 10 bis 14 Tagen können gesiebte Cyclops, Artemia, feines Frostfutter oder zerriebene Futtertabletten (z. B. mit Spirulina) verfüttert werden. Jungfische sollten 3–6 Mal täglich in kleinen Portionen gefüttert werden.
Die Jungfische reagieren äußerst empfindlich auf Nitrit und Keimdichte. Tägliche, kleine Wasserwechsel im Aufzuchtbecken sowie das Absaugen von Futterresten sind daher absolut überlebenswichtig. Zudem wird den Jungtieren in engen Behältern eine gewisse Aggressivität nachgesagt, weshalb sie frühzeitig ausreichend Platz benötigen.
Für die Aufzucht der Larven sollte der Wasserstand im Aufzuchtbehälter drastisch auf 8 bis 12 cm abgesenkt werden. Da die Larven nach dem Aufbrauchen des Dottersacks zur Wasseroberfläche schwimmen müssen, um ihre Schwimmblase mit Luft zu füllen, verkürzt ein niedriger Wasserstand diesen kraftzehrenden Weg und verhindert, dass sie ertrinken.
Ernährung
Das Futter sollte abwechslungsreich sein und schnell sinken. Geeignete Futtersorten sind beispielsweise kleines Lebendfutter (Artemia, Mückenlarven, Würmer), Frostfutter ((zum Beispiel Cyclops oder Tubifex) und Trockenfutter (zum Beispiel Welstabletten). Ab und zu kann auch etwas überbrühtes Gemüse gegeben werden.
Fischkrankheiten
Weitere Informationen zu Krankheiten der Panzer- und Schwielenwelse findet ihr in der Beschreibung der Familie Callichthyidae.
Systematik
Zum aktuellen Zeitpunkt sind 14 Arten der Gattung Gastrodermus beschrieben (Stand: September 2026)
- Gastrodermus bilineatus
- Schraffierter Panzerwels (Gastrodermus elegans)
- Gastrodermus gracilis
- Gastrodermus guapore
- Sichelfleckpanzerwels (Gastrodermus hastatus)
- Gastrodermus latus
- Gastrodermus mamore
- Gastrodermus nanus
- Gastrodermus napoensis
- Gastrodermus nijsseni
- Gastrodermus paucerna
- Gefleckter Zwergpanzerwels (Gastrodermus pauciradiatus)
- Zwergpanzerwels (Gastrodermus pygmaeus)
- Gastrodermus undulatus
Literaturhinweise:
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